L'AMFIPARNASO

Comedia harmonica 1597

von Orazio Vecchi

Bodecker & Neander

Instrumenta Musica

Tom Quaas

Ercole Nisini

"Es ist unglaublich, wie variabel das Spiel der Akteure ist, wie sie mitunter ihre Gesichter dermaßen statisch einfrieren lassen, es zur Maske machen können.....Haben die Akteure sich erstmal eine Maske vors Antlitz gestülpt, dann setzt auch auf wundervolle Weise Musik ein.....denn die Finessen der Kompositionen von Tonsetzern wie Monteverdi, Falconieri, Cavalieri oder auch Praetorius werden famos ausgelotet“ DNN

 

„…ambitioniert musiziert und gesungen …. es ist eine Freude ihnen [die drei Pantomimen] zuzusehen, ihre Wandlungsfähigkeit, und Ausdrucksstärke mitzuerleben… musikalisch fundiert… So überzogen und typisiert die Commédia ist, so genau hat sie doch das Leben belauscht, findet man sie bis Heute unmaskiert im Alltag…. Da fließen Maskenspiel und Pantomime, Alte Musik und ihre jungen Interpreten in eins“ SÄCHSISCHE ZEITUNG 

Die Madrigal Comédie - Venezia Um 1600

L’Amfiparnaso, komponiert und publiziert von Orazio Vecchi in Venedig um 1597, positioniert sich stilistisch zwischen der hohen Kunst des Madrigals von Monteverdi und Gesualdo, und der Geburt des Melodrams mit der Dafne von Peri e Rinuccini. Es ist der erste Versuch eine Geschichte bzw. eine Comédie mit Musik zu erzählen. In dem Vorwort klagt Vecchi, dass die Comédie leider ein vulgärer Spass geworden ist und dass es schade ist für ein Genre, welches das menschliche Leben als „specchio dell’umana vita“ (Spiegel des Lebens) widerspiegelt. Seine Comédie ist anders als sonst: sie ist musikalisch und in diesem Sinne zu hören und es ist etwas das niemand bis jetzt sich vorgestellt hatte. Er meint, es sei nicht etwas für die „indotti temerari“ also die Ungelernten, die nicht verstehen können, aber auch nicht für die „dotti severi“, also die strengen Gelehrten, die ihn verschmähen. Und als neues Genre es ist auch bestimmt noch nicht perfekt und einfach zu ergänzen, um sie zur Perfektion zu bringen.

In diesem Sinne haben wir uns erlaubt L’Amfiparnaso in Szene zu setzen, was dem Publikum helfen möchte die Emotionen besser zu spüren, die Vecchi uns übertragen will und die auch heute unser „humana vita“ spiegeln. Die Pantomime Kompanie Bodecker & Neander bewegt sich quasi auf den Spuren der Kompanien der Commedia del’arte vom 16. und 17. Jh. Mit ihrer hohen Kunst überträgt sie ohne Worte diese Emotionen und Gefühle die unser Leben begleiten so wie jenes der Zeitgenossenen von Oratio Vecchi.

 

Die Geschichte vom L’Amfiparnaso wird von insgesamt 14 fünfstimmigen Madrigalen bzw. 13 Szenen und einem Prolog erzählt, aufgeteilt in drei Akte mit einer Gesamtdauer von ca. 40 Minuten. 

Lange wurde die Comédie von Vecchi als erstes Beispiel für die Gattung Oper betrachtet. Heutzutage steht dafür die „Rappresentazione di Anima et di Corpo“, geschrieben und publiziert drei Jahre später 1600 in Rom von Emilio de Cavalieri. De Cavalieri schreibt in seinem Vorwort zu der Rappresentazione „À Lettori“ einige wichtige Hinweise, um diese und ähnliche Werke am besten aufzuführen und das Publikum mit diversen Affekten zu berühren („volendo rappresentare in palco la presente opera, ovvero altre simili, e far si che questa sorte di Musica commova a diversi affetti“). Er meint, dass wenn die Komposition in drei Akte geteilt ist, könnte man vier Intermedi hinzufügen: eines vor dem Prolog, und die anderen am Ende jeden Aktes, so dass die Szenen mit Instrumenten begleitet würden, und die Intermedi von diesen Instrumenten musiziert würden… („Quando la Composizione si distribuirà in tre atti, si potrebbero aggiungere quattro Intermedii apparenti, compartiti, che il primo sia avanti del Proemio, e gli altri ogn’uno sia al fine del suo Atto, osservando quest’ordine, che dentro la Scena si faccia una piena Musica, & armoniosa sinfonia di strumenti, al suono de’ quali siano concertati i moti dell’intermedio…“ )

Darum haben wir die drei Akte des L’Amfiparnaso mit Intermedi von Claudio Monteverdi, Emilio de Cavalieri selbst, Michael Praetorius, Andrea Falconieri und Ercole Nisini umrahmt. Diese Intermedi dienen in unserer Aufführung als Zeittüren, wo die Szene und die Darsteller von einer zeitgenössischen Situation, ein Museum wo Masken der Commedia dell’Arte aufbewahrt sind, in eine Situation am Ende des 16. Jahrhundert transportieren. Die Schlüssel, die diese Türen öffnen sind die Masken selbst, die quasi ein eigenes Leben haben und die sich auf dem Gesicht ihrer Darsteller selber platzieren wollen.

 

Das Bühnenbild, das sich an den Rahmen inspiriert, die in dem Originaldruck des L’Amfiparnaso (Venedig 1597) die Zeichnungen zu der Geschichte umrahmen, so wie die Masken und die Kostümen, sind für unsere Produktion von Tom Böhm und Katja Herfuhrt neu konzipiert und realisiert. Die Regie ist vom Dresdner Staatsschauspieler Tom Quaas, die musikalische Konzeption und Leitung ist von Ercole Nisini.

Konzertprogramm

 

DIE 3 FIGUREN 

Ciaccona del Sig. Monteverdi - Ercole Nisini 

Passacalle  - Andrea Falconieri

Tarantella Romanesca - Ercole Nisini

 

PROLOGO - Orazio Vecchi

ATTO PRIMO - Orazio Vecchi

_ Scena prima Pantalone.Pedrolino. Hortensia

_ Scena seconda Lelio & Nisa

_ Scena terza. Gratiano. Pantalone

 

DIE 3 FIGUREN

Passacaglia Napoletana - Ercole Nisini

Ciaccona - Andrea Falconieri

Si dolce’l tormento - Claudio Monteverdi

 

ATTO SECONDO - Orazio Vecchi

_ Scena prima Lucio solo

_ Scena seconda. Cap. Cardone e Zanni

_ Scena terza. Capitan Cardone. Isabella

_ Scena quarta „Lamento della Ninfa“ - Claudio Monteverdi

_ Scena quinta Frulla. Isabella.

 

PAUSE

 

DIE 3 FIGUREN

Sinfonia - Emilio de Cavalieri

La Parma/Canario - Giorgio Mainerio/Michael Praetorius

Zefiro Torna - Claudio Monteverdi

 

ATTO TERZO - Orazio Vecchi 

_ Scena prima. Pantalone, Francatrippa, Gratiano.

_ Scena seconda. Gratiano, Pantalone, Francatrippa.

_ Scena terza. Francatrippa, Mercanti Hebrei.

_ Scena quarta. Isabella, Lucio

_ Scena Quinta & ultima. Tutti.

 

Ballo Finale - Giorgio Mainerio

_Ungaresca - Ballo Francese - Ballo Anglese

 

16 Mitwirkenden

Dauer: 1. Teil ca. 60 min, 2. Teil ca. 35 min.

Für Publikum von 6 - 99 Jahren

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bodecker & Neander

Alexander Neander & Wolfram von Bodecker lernten sich während des dreijährigen Studiums an der "Ecole Marcel Marceau" in Paris kennen. Über 10 Jahre arbeiteten sie in der Compagnie Marcel Marceau an der Seite ihres Meisters und begleiteten ihn auf seinen internationalen Tourneen bis zum letzten Fall des Vorhangs.

Ihr eigenes Theater gründen sie 1996, welches für "SILENCE", ihre erste Produktion, prompt den Berliner Publikumspreis gewinnt. Objekttheater, Bildertheater und Magie werden in den nächsten Produktionen behutsam mit eingebunden und bestimmen mehr und mehr die theatrale Atmosphäre ihrer Stücke. Eine der Inspirationsquellen für Neander und von Bodecker ist die Musik. So entstand 1999 gemeinsam mit dem GewandhausOktett Leipzig ihr erstes visuelles Konzert: „Concert visuel en Françaix“. Jean Françaix` Werke schienen geradezu geschaffen für eine phantasievolle musikalische Bilderreise, die ein begeistertes Publikum im Gewandhaus zu Leipzig und in der Semperoper Dresden fand. Die Musikwelt wird auf ihre musikalischen visuellen Kreationen aufmerksam und es entstehen weitere Konzerte mit dem Stuttgarter Kammerorchester, dem Arditti-Quartett-London und der Nordwestdeutschen Philharmonie. Mit dem Komponisten Martin Matalon und dem Ensemble Lucilin entstand 2007 „Tulles und sein Schatten“. Im Februar 2011 feierte das Kinderkonzert „La Famille Don Quichotte“ in der Luxemburger Philharmonie Premiere und ist aktuell auf Tour in den Konzerthäusern der European Concert Hall Organisation.

In ihren zahlreichen Projekten beleben sie die seltene Kunst der Pantomime auf höchstem Niveau und tragen das künstlerische Erbe ihres Meisters Marcel Marceau in eine neue Epoche.

www.bodecker-neander.de

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Fotos ©  Björn Kadenbach

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